Findings

Findings – Phonographie Diskurse
Ausgabe #01 – unterwegs

Patrick Franke & Chris Weinheimer

16.01.2015, Kapitaldruck, Leipzig

Die Phonographie, auch „field recording“ genannt, hat sich von ihren ethno-
graphischen und anthropologischen Wurzeln gelöst. Als eigenständige Kunst-
form bleibt sie aber trotzdem noch ein Medium, in dem die Ferne, das Fremde
eine wichtige Rolle spielt. Moderner Exotismus?

Als Zeit abbildende Kunst ist sie zudem der Bewegung ausgeliefert. Was oder
wer bewegt sich? Wir reflektieren einen Abend lang mit eigenem Material und
mithilfe schon „klassisch“ zu nennender Aufnahmen das Thema der Bewegung.

Radiostück zur Ausgabe #01 von Chris Weinheimer:


findings_n01_LY02
Flyer: Nicole Christ

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Findings – Phonographie Diskurse
Ausgabe #02 – Tiere

Patrick Franke & Chris Weinheimer

13.03.2015, Kapitaldruck, Leipzig

Der Begriff des Natürlichen hat Bedeutungswandel erlebt, die ihn fast un-
brauchbar machen. Von der „Gesamtheit dessen, was durch die Sinne
wahrnehmbar ist“ bis hin zu dem, „was nicht vom Menschen geschaffen
wurde“ ist Natur immer wieder Gegenstand philosophischer und politischer
Auseinandersetzungen gewesen.

Die Phonographie spiegelt dieses gesamte Spannungsfeld, indem sie
einerseits Werkzeug der Ästhetik in den Händen von MusikerInnen und
KomponistInnen ist, andererseits in der Bioakustik von WissenschaftlerInnen
als eine Methode der Datenerfassung genutzt wird.

Zwischen Messiaens Amseltranskripten und ornithologischen Aufnahmen,
Alvin Voigts Erörterungen der Sängerqualitäten von Vögeln und Tonauf-
nahmen von Unterwasserinsekten wollen wir phonographische Abbildungen
dessen, „was so ist, wie es sich gibt“, zusammen hören und diskutieren.

Radiostück zur Ausgabe #02 von Chris Weinheimer:


findings_n02_LY01
Flyer: Nicole Christ

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Findings – Phonographie Diskurse
Ausgabe #03 – noise

Patrick Franke & Chris Weinheimer

13.07.2015, Kapitaldruck, Leipzig

Rauschen ist Bestandteil jeder technischen Aufnahme. Mit diesen Begriff wird
in der Informationstheorie das nicht Verwertbare, nicht zur Information Gehörige
bezeichnet.
Aber lässt sich dieses allgegenwärtige „Geräusch“ so einfach in die Bedeutungs-
losigkeit hinein bezeichnen?

Der Begriff Lärm dagegen (vom italienischen all’arme) steht ursprünglich für
etwas höchst bedeutsames, „alarmierendes“, das alle anderen Klänge überlagern
soll. Gleichzeitig dient der Begriff oft zur Kennzeichnung unverständlicher Klänge.

Zwischen diesen Polen bewegt sich die Untersuchung eines Phänomens, das
man auch als akustischen Abfall bezeichnen könnte.

Welt ist ohne Klang, ohne Geräusch nicht denkbar. Die technischen Geräusche
haben inzwischen nahezu die ganze Welt erobert. Kein Ort ohne Autos, ohne
Fluglärm, den Sound von Generatoren oder Klimaanlagen.

Die Futuristen haben den Reiz des Lärms kompositorisch entdeckt und gefeiert.
John Cage hat die Gleichberechtigung aller Klänge thematisiert und von da
ausgehend seinen Weg in die Stille gemacht.
Die Phonographie hat Klänge technisch verfügbar gemacht. Die analoge Klang-
synthese kann Rauschen generieren. Die digitale Technologie kann es eliminieren.
Die Ökologie muss sich mit dem Gedanken anfreunden, dass der technische
Lärm zu unserer natürlichen Umgebung gehört.

Was ist es? Noise, „nausea“ – eine Krankheit? Oder der unhierarchische Rausch
sämtlicher Frequenzen in gleicher Lautstärke?

Patrick Franke und Chris Weinheimer wollen dieser Frage anhand
von Klangbeispielen und Exkursen in die Kulturgeschichte nachgehen.

Radiostück zur Ausgabe #03 von Chris Weinheimer:

Flyer: Nicole Christ

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Findings – Phonographie Diskurse
Ausgabe #04 – frame

Patrick Franke & Chris Weinheimer

18.02.2015, Kapitaldruck, Leipzig

Wie jede Abbildung, so schneidet auch die Phonographie etwas aus der Realität
heraus, sie setzt einen Rahmen. Wie und wann passiert das?
Es bildet sich ein Kreis aus aufnehmen, verarbeiten, ausgeben, aufnehmen…

frame 01, record:
Geographie, Topographie, Klima, Zeit, Equipment, Position, Melotop

frame 02, edit:
Schnitt, Filter, säubern, kombinieren

frame 03, play:
Präsentation, Wahrnehmung, Bedeutung, Kommunikation

Radiostück zur Ausgabe #03 von Chris Weinheimer:

Flyer: Nicole Christ

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Findings – Phonographie Diskurse
Patrick Franke & Chris Weinheimer

Ausgabe #05 – Arbeit

12.07. 2017, Kapitaldruck, Leipzig

Lohnarbeit ist heutzutage ein Fetisch. Die meisten von uns definieren sich über
ihre professionelle Tätigkeit. “Was machst du?“ lautet die Frage nach dem Beruf,
nicht nach einer Tätigkeit als solcher.
Marx hat die Idee gehabt, dass nur Arbeit dem Menschen aus der Welt Wert gewinnt.
Ein Inferno der Automation, der Kommerzialisierung, der „commodification“ ist
über uns hereingebrochen. Alles ist Ware. Jeder vermarktet sich selbst. Unter dem
Vorwand der Selbstverwirklichung gestalten wir uns selbst zum Produkt, zum Rohstoff,
zur Materie. Aus dieser Masse generiert „data mining“ neue Werte.

Kann eine Kunst, die vom Sammeln und Strukturieren ephemerer Zustände ausgeht,
hier der Ansatz einer Kritik sein?
Können immaterielle Formen des Werkes „den Inhalt der Geschichte“ „reklamieren“,
also Analyse der und Anspruch auf die Errungenschaften der Arbeit formulieren?

Unter Zuhilfenahme von Beispielen eigener Phonographien, Klassikern und aktueller
Klangkunst wollen wir von der Sinfonie einer futuristischen Maschineneuphorie bis
zum Klang der “Parasiten” einige Formen der Arbeit und ihre akustischen Spuren
untersuchen. Wie klingt Arbeit? Wie arbeitet Klang? Wie klingt Klangarbeit?

Foto: Marcus Held
Flyer: Nicole Christ